Kurz gesagt: Eine Kununu-Bewertung löschen lassen Sie, indem Sie sie bei kununu konkret beanstanden – etwa weil der Verfasser nie bei Ihnen gearbeitet oder sich beworben hat, falsche Tatsachen behauptet oder beleidigt. Kununu muss dann den Kontakt prüfen. Nach aktueller Hamburger Rechtsprechung genügen anonymisierte Nachweise oft nicht: Der Verfasser muss für Sie überprüfbar sein, sonst ist die Bewertung zu löschen. Ehrliche Kritik bleibt dagegen stehen.
Eine einzige Ein-Stern-Bewertung kann ein Arbeitgeberprofil spürbar prägen – gerade bei kleinen Betrieben mit wenigen Bewertungen. Bewerber lesen mit, und auch KI-Assistenten greifen bei Fragen zu Arbeitgebern auf solche Portale zurück, wie unser Ratgeber zur KI-Unternehmensbewertung zeigt.
Gleichzeitig ist die Hürde hoch. Eine kritische Meinung lässt sich nicht einfach entfernen, nur weil sie unbequem ist. Die gute Nachricht: Seit 2024 hat sich die Rechtsprechung zugunsten von Arbeitgebern verschoben. Wer die Regeln kennt, hat bei Bewertungen mit zweifelhaftem Ursprung bessere Karten als je zuvor.
Wann können Sie eine Kununu-Bewertung löschen lassen?
Kununu gilt als größte Arbeitgeber-Bewertungsplattform im deutschsprachigen Raum. Bewertungen sind anonym möglich und werden nicht automatisch verifiziert. Umso wichtiger ist es, vorab zu klären, ob Ihr Fall überhaupt eine Chance hat.
Unzulässig sind nach Einschätzung von Anwälten etwa falsche Tatsachenbehauptungen, Schmähkritik und Beleidigungen. Hinzu kommt ein Grund, der in der Praxis besonders oft greift: Der Verfasser hatte nie Kontakt zu Ihrem Unternehmen – weder als Mitarbeiter noch als Bewerber oder Azubi.
Geeignet für eine Löschung:
- Bewertungen von Personen, die weder bei Ihnen gearbeitet noch sich bei Ihnen beworben haben – oder die Sie trotz Prüfung nicht zuordnen können
- Nachweisbar falsche Tatsachen, etwa erfundene Vorfälle oder falsche Angaben zur Bezahlung
- Beleidigungen, Schmähkritik oder die Nennung einzelner Mitarbeiter in herabsetzender Weise
Nicht geeignet für eine Löschung:
- Ehrliche, wenn auch harte Kritik an Führung, Arbeitsklima oder Organisation
- Subjektive Werturteile wie „chaotische Abläufe" oder „schlechte Kommunikation"
- Bewertungen, deren Verfasser Sie eindeutig als ehemaligen Mitarbeiter erkennen und deren Inhalt zutrifft
Was haben die Gerichte zu kununu entschieden?
Die Grundlage legte der Bundesgerichtshof 2022 (Az. VI ZR 1244/20) in einem Fall um ein Online-Reiseportal: Die Rüge eines Ferienparks, der Bewertung liege kein Gästekontakt zugrunde, reicht grundsätzlich aus. Prüft das Portal nicht ausreichend, gilt der fehlende Kontakt als wahr.
Das OLG Hamburg übertrug diese Grundsätze mit Beschluss vom 08.02.2024 (Az. 7 W 11/24) auf Arbeitgeberportale. Kununu hatte die Verfasser um Tätigkeitsnachweise gebeten und dem Arbeitgeber nur anonymisierte Unterlagen weitergegeben. Das reichte dem Gericht nicht. Kann der Arbeitgeber den Verfasser nicht so weit identifizieren, dass er den Kontakt überprüfen kann, darf er die Löschung verlangen. Datenschutz ist dabei kein Gegenargument. Rechtsgrundlage ist der Unterlassungsanspruch aus § 1004 BGB analog in Verbindung mit § 823 Abs. 1 BGB.
Weitere Entscheidungen folgten. Im August 2024 verpflichtete das LG Hamburg (Az. 324 O 305/24) kununu per Eilbeschluss, eine Bewertung zu löschen, weil kununu den Geschäftskontakt nicht nachweisen konnte – bei Verstoß drohte ein Ordnungsgeld von bis zu 250.000 Euro. Und in einem 2026 bekannt gewordenen Hinweisbeschluss (Az. 7 U 8/25) präzisierte das OLG Hamburg: Den Klarnamen muss kununu nicht zwingend preisgeben. Der Verfasser muss aber so kenntlich gemacht werden, dass der Arbeitgeber prüfen kann, ob die Person tatsächlich bei ihm gearbeitet hat. Kununu nahm die Berufung zurück, die Bewertung musste gelöscht werden.
Kununu-Bewertung löschen lassen: Schritt für Schritt
- Bewertung sichern: Erstellen Sie Screenshots mit Datum und URL, bevor Sie handeln. ➔ Ergebnis: Beweise, falls die Bewertung geändert wird oder ein Verfahren nötig ist.
- Inhalt und Kontakt prüfen: Gleichen Sie Zeitraum, Abteilung und Schilderung mit Ihren Personalunterlagen ab. Trennen Sie Tatsachen von Meinungen. ➔ Ergebnis: Sie wissen, ob Sie den Kontakt bestreiten, Tatsachen widerlegen oder nur antworten können.
- Konkret bei kununu beanstanden: Nutzen Sie den Meldeweg für Arbeitgeber und begründen Sie präzise, etwa: „Wir bestreiten, dass der Verfasser in dem genannten Zeitraum bei uns beschäftigt war oder sich bei uns beworben hat." ➔ Ergebnis: Kununu muss den Kontakt prüfen und den Verfasser um Nachweise bitten.
- Prüfergebnis bewerten: Erhalten Sie nur geschwärzte Unterlagen, die keine Zuordnung erlauben, halten Sie Ihre Rüge aufrecht. Laut OLG Hamburg muss kununu den Verfasser so kenntlich machen, dass Sie den Kontakt überprüfen können – sonst ist die Bewertung zu löschen. ➔ Ergebnis: Kununu muss nachbessern oder löschen.
- Anwaltlich durchsetzen: Bleibt die Bewertung trotzdem online, kann eine auf Medien- oder Arbeitsrecht spezialisierte Kanzlei kununu abmahnen und eine einstweilige Verfügung beantragen. ➔ Ergebnis: gerichtliche Klärung, oft im Eilverfahren.
- Parallel öffentlich antworten: Unabhängig vom Verfahren können Sie Bewertungen über Ihr Arbeitgeberprofil kostenlos kommentieren und sachlich Stellung nehmen. ➔ Ergebnis: Bewerber sehen Ihre Sicht, solange die Bewertung sichtbar ist.
💡 Insider-Kniff: Formulieren Sie die Beanstandung so konkret wie möglich, aber verzichten Sie auf lange Rechtsausführungen – das klare Bestreiten des Kontakts ist der Kern. Das LG Hamburg (Urteil vom 19.12.2025, Az. 324 O 400/25) stellte in einem Fall, der nicht kununu betraf, klar, dass Portale konkrete Beanstandungen nicht unter Verweis auf interne Meldeformulare abweisen dürfen. Nutzen Sie trotzdem zuerst den Meldeweg von kununu und dokumentieren Sie jede Beanstandung mit Datum.
Kann ich herausfinden, wer die Bewertung geschrieben hat?
Nur in engen Grenzen. Kununu sichert Verfassern grundsätzlich zu, nicht identifiziert zu werden. Der Weg über die Gerichte ist eng: Nach § 21 TDDDG dürfen Anbieter Bestandsdaten eines Nutzers nur herausgeben, wenn das zur Durchsetzung zivilrechtlicher Ansprüche wegen der Verletzung absolut geschützter Rechte nötig ist – und zwar durch Inhalte, die bestimmte Straftatbestände wie Beleidigung, üble Nachrede oder Verleumdung erfüllen. Eine Bewertung, die sich bloß nicht überprüfen lässt, reicht dafür in der Regel nicht. Dafür braucht es eine vorherige gerichtliche Anordnung durch das Landgericht, und die Kosten trägt zunächst der Antragsteller.
In der Praxis ist das selten nötig. Das Ziel ist meist die Löschung, nicht die Identität. Und dafür genügt es nach der Hamburger Linie, dass kununu den Kontakt nicht überprüfbar belegen kann.
Was tun, wenn die Kritik berechtigt ist?
Dann ist Löschen der falsche Weg. Eine ruhige, konkrete Antwort wirkt auf Bewerber oft stärker als ein makelloses Profil. Benennen Sie, was Sie geändert haben, und laden Sie zum Gespräch ein. Die Grundsätze aus unserem Fahrplan gegen negative Bewertungen gelten für Arbeitgeberportale genauso. Wie das Vorgehen bei Google aussieht, zeigt unser Ratgeber Google-Bewertung löschen lassen.
Langfristig hilft vor allem eines: mehr echte Stimmen. Ermuntern Sie aktuelle Mitarbeiter neutral, ihre Erfahrungen zu teilen – ohne Druck und ohne Vorgaben zur Bewertung. Wie stark sich nachgewiesener Kontakt auf die Glaubwürdigkeit auswirkt, erklärt unser Beitrag Was sind verifizierte Bewertungen?.
Fazit: Die Hamburger Linie stärkt Arbeitgeber – aber nur bei echten Zweifeln
Eine Kununu-Bewertung löschen zu lassen ist heute realistischer als noch vor wenigen Jahren. Die Gerichte in Hamburg verlangen, dass der Verfasser für den Arbeitgeber überprüfbar ist – anonymisierte Belege genügen oft nicht. Das ist ein wirksames Werkzeug gegen Bewertungen ohne echten Hintergrund.
Für ehrliche Kritik gilt das nicht. Wer jede negative Stimme bekämpft, verliert Glaubwürdigkeit bei Bewerbern. Prüfen Sie deshalb jede Bewertung zuerst nüchtern: Kennen Sie den Verfasser? Stimmen die Fakten? Danach entscheiden Sie zwischen Beanstandung und Antwort. Und wenn Sie Ihr Unternehmen mit Bewertungen aus mehreren Quellen transparent präsentieren möchten, können Sie es bei reviewfinder eintragen.
Häufige Fragen
Wie lange dauert es, eine Kununu-Bewertung löschen zu lassen?
Das hängt vom Weg ab. Wie lange die Prüfung durch kununu dauert, hängt vor allem davon ab, wie schnell der Verfasser Nachweise liefert. Ein gerichtliches Eilverfahren wie vor dem LG Hamburg kann deutlich schneller zu einer Entscheidung führen, ist aber mit Kosten verbunden.
Muss kununu den Namen des Verfassers nennen?
Nicht zwingend. Laut OLG Hamburg muss kununu den Verfasser aber so kenntlich machen, dass der Arbeitgeber prüfen kann, ob ein Beschäftigungsverhältnis bestand. Gelingt das nicht, ist die Bewertung zu löschen. Gegen den Willen des Verfassers ist eine Herausgabe von Nutzerdaten nur mit gerichtlicher Anordnung nach § 21 TDDDG möglich.
Kann ich eine negative, aber ehrliche Kununu-Bewertung löschen lassen?
In der Regel nicht. Ehrliche Erfahrungen und Werturteile sind von der Meinungsfreiheit gedeckt, auch wenn sie hart ausfallen. Eine Löschung kommt nur bei falschen Tatsachen, Beleidigungen, Schmähkritik oder fehlendem Kontakt zu Ihrem Unternehmen in Betracht.
Was kostet es, eine Kununu-Bewertung löschen zu lassen?
Kosten entstehen vor allem, wenn Sie eine Kanzlei beauftragen oder gerichtlich vorgehen. Deren Höhe hängt vom Streitwert und vom Verfahren ab – lassen Sie sich vorab ein Angebot machen.